Wie ich zu unseren Antifa-Aktivistinnen stehe (Spoiler: dafür!)

Ich bin heute per Twitter gefragt worden, wie ich als Kandidatin denn zu Olli Höfinghoff stehe.

Die Antwort, dass ich ihn sehr schätze und viel von ihm gelernt habe, lag auf der Hand.

Natürlich bin ich nicht von gestern, und weiss, dass das eine Aufforderung war, mich von unserer Antifa zu distanzieren.
Das würde ich gerne in mehr als 140 Zeichen beantworten…

Ich finde das Engangement von @RiotBuddha und seiner fröhlichen Bande ausgesprochen wichtig, auch wenn ich manchmal denke “auhauaha, muss *das* jetzt sein?“.

Ich bin eher etwas beschützt aufgewachsen, in einer Stadt, in der ich zum Beispiel die Polizei wirklich nur als Freund und Helfer wahrgenommen habe, und in der linke Aktivisten tatsächlich als gewaltbereite Störenfriede wahrgenommen wurden.

Gerade im letzten Winter, während des ersten Hungerstreiks am Pariser Platz, habe ich viele dieser gelernten Meinunger über Bord kippen müssen. Das lag an drei Faktoren:
dem, was unsere Antifa mir erzählt hat,
dem, was mainstreamigere Piraten mir von den Erzählungen der Antifa bestätigt haben,
dem, was ich am Pariser Platz gesehen habe.

Seitdem bin ich auf einigen Anti-Nazi-Demos gewesen, habe mit vielen Leuten gesprochen, und einiges an Vorfällen verschiedenster Art gesehen.
Das alles *passt* in die Problem-Beschreibung, die unsere Antifa uns seit geraumer Zeit immer wieder vor Augen führen will: rechte Aggression wird kleingeredet, linkes Engagement als Extremismus diffamiert, die Aktionen der Polizei in Demos sieht wirklich aus, als wollten sie Situationen provozieren, in denen sie gerechtfertigt hart gegen “Linksextremisten“ vorgehen kann.

So. Ich bin also überzeugt, dass die Probleme, wie sie die Antifa beschreibt, tatsächlich so existieren.
Und ich bin überzeugt, dass dagegen was unternommen werden muss.
Und die Antifa unternimmt was.

Stimme ich immer zu 100% mit den gewählten Strategien überein? Nein. Aber zu 95%.
Bin ich der Überzeugung, dass es auch in der Antifa vereinzelte Vorkommen von Betriebsblindheit gibt? Klar.
Befiehlt mein Herz mir, eine gemässigtere Neben-Antifa zu gründen? Ähhhh, nöp.

Also: eine Gruppe beschreibt ein Problem und unternimmt was dagegen. Die Problembeschreibung erscheint mir schlüssig, und die angewendeten Mittel kann ich zu 95% mittragen. Und ich bin nicht gewillt, eine Gruppe aufzubauen, die dieses Problem mit Mitteln angeht, die ich zu 100% unterstützen kann.
Was mache ich also?
Wenn die Gruppe demonstriert, versuche ich mitzumachen.
Wenn die Gruppe diffamiert wird, versuche ich dagegen zu sprechen.
Wenn man mich auffordert, mich zu distanzieren, lehne ich dies ab und stelle mich auf ihre Seite.

Ich bin Antifaschist.

Comments: 6

  1. Maxx 20. Oktober 2013 at 9:57 Reply

    Sehr schöner Post.
    Viele Leuten geht es so, wenn sie einmal genauer hinsehen und feststellen dass es im linken Spektrum wirklich so zu geht wie es beschrieben wird.

  2. honza 20. Oktober 2013 at 10:55 Reply

    Ich finde die Pirantifa auch toll. Wenn zum Beispiel @telegehirn die Parole „Schwaben raus“ vorgibt, dann ist das ein schönes Zeichen für Fremdenfreundlichkeit und Toleranz.

  3. Bayernpirat 20. Oktober 2013 at 15:01 Reply

    Sorry, aber Themaverfehlung:

    Was du vollkommen rausgelassen hast, sind die ständigen Angriffe von Seiten der Pirantifa & Co. gegen andere Parteimitglieder, also nach innen. Jeder, der nicht auf Linie ist, wird gleich absurderweise als „rechts“ diffamiert. Und zynischer Weise trägt die Inflationierung dieser Schmähung genau dazu bei, dass wirkliche Neonazis, NPD-Kader und freie Kameradschaften implizit verharmlost werden. Tolle Wurst…

    Wer Antifa-Arbeit auf dem infantilen Niveau des schwarzen Blocks leisten will, kann das auch außerhalb einer parlamentarisch orientierten Partei tun. Gute Reise und auf Wiedersehen…

    • DanielaKayB 20. Oktober 2013 at 16:49 Reply

      Mir auf *meinem* eigenen Blog zu sagen, ich hätte das Thema verfehlt, ist ein bisschen, wie bei mir eingeladen zu sein, und mir dann zu erzählen, ich hätte das falsche gekocht. Nämlich ausgesprochen unhöflich.

      Anyway. Die Art und Weise wie manchmal auf Andersdenkende losgegangen wird, ist Teil der erwähnten 5% und den erwähnten Anfällen von Betriebsblindheit.

  4. Hartmut 20. Oktober 2013 at 15:13 Reply

    Tach,

    Moment ich kann viele Dinge durchaus mittragen und kann dir da zustimmen. Allerdings wie gerade Olli und andere Antifa Leute mit andersdenken umgehen ist unter aller Sau. Mobben at its best! Solche Leute schiessen übers Ziel hinaus und das ist das problem die einige Leute damit haben. Man irgnoriert es einfach weil es sind ja die Guten. Etwas mehr Rücksichtnahme und nicht bei jeder Kleinigkeit die Nazikeule rausgeholt und gemobbt, belidigt ausgegrenzen wäre schon ein Anfang. Hat was mit Glaubwürdigkeit zu tun und machen Piraten/LV fehlt dies von der Außenwirkung ganz schweigen. Ansosnten was Bayernpirat sagt.

  5. Antifant 20. Oktober 2013 at 17:04 Reply

    Was heißt in dem Zusammenhang denn, die Polizei versuche Situationen zu provozieren, in denen sie gerechtfertigt hart vorgehen könne? Selbst wenn dem denn so wäre, dann gibt eine wie auch immer geartete Provokation seitens der Polizei doch niemandem das Recht sich gegen eine rechtmäßige Maßnahme zur Wehr zu setzen? Äußert bedenklich, solche geistigen Versatzstücke…

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